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Strategie
mit Stern - das Brand Design-System
(Dr.
Klaus Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter "Henrion, Ludlow
& Schmidt", London)
Going
Public - Kommunikation für den Börsengang
(Barbara
Graml, Senior Director Brand Management & Executive Communication
Infineon Technologies AG)
Wie
attraktiv ist mein Unternehmen?
(Von
Martin-Niels Däfler)
München
- "Attraktiv" - bei diesem Begriff denken wir instinktiv an Claudia
Schiffer, Pamela Anderson oder Julia Roberts. Kann auch ein Unternehmen
attraktiv sein? Wenn man Attraktivität mit der Anziehungskraft,
die ein Betrieb auf seine Umwelt ausübt, übersetzt, dann
muss es das sogar sein. Denn im harten Kampf um die Anerkennung
durch den Markt, die Kunden sowie die Investoren muss ein Unternehmen
heutzutage danach trachten, allen möglichst gut zu gefallen.
Und das geht weit über das Streben nach positiven Börsenwerten
und guten Geschäftszahlen hinaus. <weiter>
Hausse
für Investor-Relations
(Von
Pia Krix)
Mit dem
rasanten Anstieg der privaten Anleger ging auch ein Ruck durch die
Unternehmens-Kommunikation. Investor-Relations gewinnen einen immer
höheren Stellenwert. <weiter>
Strategie
mit Stern
(Von Dr. Klaus Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter
"Henrion, Ludlow & Schmidt", London)
Das
Brand Design System vereinheitlicht das weltweite Erscheinungsbild
von Mercedes-Benz. Nutzer können die Richtlininen für den Markenauftritt
jederzeit abrufen.
Schnelle
Informationsbeschaffung und zeitnahe "Dialoge" sind heute im Geschäftsleben
unabdingbar. Mit durchgreifender Standardisierung und uneingeschränkter
Verfügbarkeit hat sich das Internet als universelle Plattform für
Information und Kommunikation durchgesetzt. Unternehmen und Marken
erschließen sich mit E-Business und E-Commerce neue Vertriebswege
und Geschäftsfelder. Im Internet entstehen immer mehr neue Marken.
Diese "E-Brands" bezeichnen ein Unternehmen oder das Angebot eines
Unternehmens, das online Waren, Dienstleistungen oder Handelsplätze
bereitstellt. Die konsequente Profilierung dieser auch als Cyberbrands
bekannten Marken ist eine Aufgabe, die angesichts der derzeit rund
18 Millionen Internetnutzer allein in Deutschland strategische Funktion
hat. Doch neben der externen Markenkommunikation ist auch die interne
Vermittlung und Umsetzung von Markeninhalten entscheidendes Kriterium
für einen konsistenten Marktauftritt.
E-Brands
sind Medienmarken und damit als medial inszenierte Erfahrungs- und
Erlebniswelten zu verstehen. Denn ihr Kennzeichen ist es ja, dass
sie hauptsächlich online vermittelt werden. Doch auch klassische
Marken werden zunehmend zu E-Brands. Unternehmen wie Bertelsmann
oder RTL haben die Notwendigkeit der Markenbildung im Internet bereits
konsequent umgesetzt. In Zukunft wird so gut wie jede Marke auch
eine E-Brand sein. Das bedeutet: Unternehmensstrategen werden stärker
als bisher neue Inhalte besetzen und deshalb ein professionelles
"Content-Management" aufbauen müssen. Doch die Geschwindigkeit,
mit der Marken im Internet diese Inhalte entwickeln und umsetzen
müssen, ist wesentlich höher als bei herkömmlichen Marken.
E-Brands,
respektive die multimediale Umsetzung von Marken, verlangen die
Koppelung von traditioneller und digitaler Kommunikation. Besonders
gilt das für die Fokussierung der Unternehmensprozesse und -leistungen
auf die Sicht der Kunden oder Nutzer. Häufig beschränkt sich die
Webpräsenz traditioneller Marken primär auf externe Kommunikationsziele.
Doch um kundenorientiert denken und handeln zu können, ist neben
einem exzellenten Service- und Produktangebot eine professionelle
interne Kommunikation der Markenwerte - beispielsweise durch den
Einsatz des Intranet - notwendig.
Die
Traditionsmarke Mercedes-Benz hat sich zu einer E-Brand entwickelt,
zu einer Marke, die intern wie extern zunehmend digital inszeniert
und vermittelt wird. Die Markenbildung via Intra- und Internet setzt
auf die Verbindung von Tradition und Innovation, von Herkunft und
Zukunft - genau dies ist das Thema, das bei Mercedes-Benz im Mittelpunkt
steht: die Zukunft des Automobils. Auch hier wird deutlich: Der
Unterschied zwischen traditionellen Marken und E-Brands verliert
sich. Jede Marke muss sich mit dem Internet auseinandersetzen und
herkömmliche mit digitalen Medien in Einklang bringen. Die Entwicklung
und der Ausbau von Werten, Nutzenaspekten, Content und Strategien,
die zum Kern der Marke gehören, sind die Basis eines erfolgreichen
E-Brandings.
E-Brands
definieren sich wie traditionelle Marken über Merkmale wie Qualität,
Leadership, Kundenorientierung und Kompetenz. Bei dem Auftritt im
Internet kommen jedoch spezifische Features, Applikationen und Dienstleistungen
hinzu. Erst wenn die Website dem Kunden einen Zusatznutzen bietet,
wenn sie interaktiv wirkt, ist die Marke "webfähig", geeignet, sich
als E-Brand zu etablieren. Das heißt: Gerade auch starke Marken,
Premiumbrands, die offline groß geworden sind, müssen sich den neuen
Herausforderungen stellen - Herausforderungen, die verpflichten.
Unternehmen müssen innovative Online-Facilities und State-of-theArt
Technologien strategisch optimal nutzen, um sich nicht nur zeitgemäß,
sondern progressiv zu präsentieren und im Markt auch über diese
Medien entsprechend zu profilieren. Für traditionelle Unternehmen
lautet die Aufgabe, sich gemäß ihrem Qualitätsanspruch intensiv
der Tools Internet und Intranet zu bedienen, um über alle Kanäle
hinweg Kompetenz, Know-how und Leadership zu dokumentieren.
Während
klassische Unternehmen "from the real world" ins Web drängen, bewegen
sich Moneyshelf, Yahoo oder Amazon.com von Anfang an nur online.
Diese Firmen sehen das Internet nicht allein als Marketing-Instrument
- es ist ihr "Environment of Enterprise". Das Meistern des Spagats,
für jeden ein individuelles Produkt- und Serviceangebot zu vermarkten,
steht für sie im Mittelpunkt. Die flankierende Offlinekommunikation
über Print- und AV-Medien ergänzt die Online-Aktivitäten. Aufgabe
ist es, aus dem Internet das unternehmens- und marketingstrategische
Optimum an Kommunikation auf benutzerfreundliche Weise umzusetzen.
Sehr viele Designstrategien formalisieren jedoch die Unternehmen
und interpretieren sie nicht entsprechend ihrer Positionierung.
Für den Onlineauftritt gilt indes ebenso wie für den Offlineauftritt:
Das visuelle Erscheinungsbild der Marke muss Ausdruck der strategischen
Positionierung sein. Logotype, Farbklima, Typografie, Raster, Fotostil
oder Elemente des Online-Interface-Designs werden nicht einzeln,
sondern als Ganzes wahrgenommen. Diese Designelemente sollten deshalb
stets vernetzend über die ganze Breite der Maßnahmen entwickelt
werden.
Als
eine der weltweit bekanntesten Marken hat auch Mercedes-Benz einen
neuen Weg eingeschlagen, indem es seinen Markenauftritt strategisch
definiert und online im Intra- und Extranet umgesetzt hat. Um die
Marke weltweit einheitlich implementieren zu können, haben die Verantwortlichen
im Markenmanagement ein so genanntes "Brand Design System" (BDS)
entwickelt, das verbindliche Design-Leitlinien festlegt, um einen
global übereinstimmenden Markenauftritt gewährleisten zu können.
Als Tool für ein weltweit konsistentes Markenmanagement der breitgefächerten
Pkw- und Nutzfahrzeugmarke bezieht das BDS sämtliche Instrumente
und Maßnahmen der Kommunikation ein und sorgt für Einheit in der
Vielfalt verschiedenster Anwendungen.
Das
System ist universal einsetzbar. Die Nutzer - interne Markenverantwortliche
und ausgewählte externe Partner wie Lieferanten oder Händler - können
sich per Mausklick jederzeit über die neuesten Entwicklungen rund
um das Erscheinungsbild der Marke Mercedes-Benz erkundigen. Das
heißt: Im regelmäßigen Dialog mit dem Anwender können sämtliche
Informationen und Vorlagen zu aktuellen Standards umgehend vom Netz
heruntergeladen werden. Durch das innovative System sind Änderungen
einfach auszuführen und länderübergreifend sofort abrufbar: Mitarbeiter
von Japan bis Brasilien können sich so per Computer über den neuesten
Stand in Sachen Marke Mercedes-Benz informieren und Modifizierungen
effektiv und einfach ausführen.
Wie
sieht das "Brand Design System" konkret aus? Aus welchen Elementen
besteht es? In welchen Bereichen findet es Anwendung? Den Inhalt
des BDS bilden Gestaltungsrichtlinien, die auf Grundlage der Markenpositionierung
entstanden sind. Insgesamt besteht das BDS aus vier verschiedenen
Bausteinen, die miteinander vernetzt sind: der "Brand Expression",
den "Basic Design Elements", den "General Design Guidelines" sowie
den "Specific Design Guidelines".
Die
"Brand Expression" bildet das Herzstück des Systems. Sie beschreibt
die Positionierung, Persönlichkeit und Werte der Marke, erläutert
ihre Herkunft und stellt zugleich den Bezug zur Zukunft her (Vision).
Aufgabe der "Brand Expression" ist es, das Erbe der Marke und die
Markenpersönlichkeit so zu vermitteln, dass alle Markenverantwortliche
immer im Sinne der Marke denken, fühlen und handeln - und diese
Botschaft entsprechend kommunizieren.
Die
"Basic Design Elements" beschreiben Grundgestaltungselemente der
Marke und stellen das Fundament ihres Erscheinungsbilds dar. Hier
ist zum Beispiel festgelegt, welche Proportionen das berühmte Markenzeichen
hat, hier werden die Markenfarben genau bestimmt und Schriftarten
in den verschiedenen Anwendungen beschrieben. Dieser Baustein stellt
sicher, dass die Grundelemente des Erscheinungsbildes der Marke
einheitlich in allen Bereichen der Mercedes-Benz-Kommunikation angewandt
werden. Die "Basic Design Elements" bilden die Basis für alle weiteren
Komponenten des BDS.
Die
"General Design Guidelines" erfüllen eine weiter reichende Funktion.
Sie definieren Richtlininen für bereichsübergreifende Anwendungen.
Das heißt konkret: Hier wird festgelegt, nach welchen Guidelines
Broschüren gestaltet werden, welchen Vorgaben Präsentationen und
Geschäftspapiere zu folgen haben oder wie der Auftritt auf Messen
geplant wird. Um sicherzustellen, dass sich Mercedes-Benz auch im
Internet seiner Markenpositionierung entsprechend präsentiert, werden
hier auch Fragen zur Webdesign-Gestaltung beantwortet, also zu Logo,
Farbgebung und Schrifttype. Gerade das Thema Webdesign beziehungsweise
Webguide wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Markenauftritt
in den Onlinemedien über alle Anwendungsgebiete, beispielsweise
E-Business, E-Commerce und E-Customer Relationship Management, zu
gewährleisten. Die "General Design Guidelines" beschreiben somit
die generischen Richtlinien, die in allen Unternehmensbereichen
Anwendung finden können. Sie stellen beispielsweise sicher, dass
Anzeigen eine konsistente Erscheinung über alle Unternehmensbereiche
hinweg haben, lassen aber gleichzeitig Raum für Kreativität.
Die
"Specific Design Guidelines" schließlich umfassen - wie der Name
schon sagt - spezifische Adaptionen der beiden letztgenannten Bausteine
und werden unter anderem auf Ausstellungen oder im Service umgesetzt.
Ein Beispiel hierfür ist der "Mercedes-Benz Charter-Way", eine Dienstleistung,
die für das Fuhrparkmanagement angeboten wird. Charter-Way übernimmt
die komplette Wartung, Instandhaltung und den Service rund um das
Fleet-Management - nach dem Motto "nur fahren müssen Sie noch selbst".
Die "Specific Design Guidelines" für Charter-Way definieren, wie
die beschriebenen "Basic Design Elements" sowie die "General Design
Guidelines" in diesem speziellen Bereich angewandt werden. Es handelt
sich somit um Gestaltungsrichtlinien, die nur auf diesen einen Bereich
zutreffen. Hierzu zählen Markenfarben (neben den für Mercedes-Benz
definierten Markenfarben sind weitere, zum Beispiel für die Farbkodierung
verschiedener Vertragsarten, vorgesehen). Darüber hinaus sind hier
die Anwendung des Markenzeichens in Verbindung mit der Charter-Way-Wortmarke
definiert und Vorgaben für die Fahrzeugbeschriftung und Beschilderung
festgelegt.
Unbestritten
sind ein einheitliches Erscheinungsbild und ein konsistenter Marktauftritt
unabdingbare Voraussetzungen für den langfristigen Unternehmenserfolg
- online wie auch offline. Besonders im Hinblick auf die wachsende
Globalisierung, die Austauschbarkeit von Produkten und Dienstleistungen
sowie zunehmend wettbewerbsintensiven Märkten müssen sich Unternehmen
in jeglicher Hinsicht profilieren. Hans-Georg Brehm, Verantwortlicher
für das Markenmanagement Vertrieb Pkw, betont: "Das BDS leistet
in diesem Zusammenhang einen wesentlichen Beitrag, um die Positionierung
der Marke Mercedes-Benz in den Weltmärkten zu festigen und weiter
erfolgreich auszubauen."
Fazit:
In Zeiten zunehmender Konzentration, kürzerer Innovationszyklen,
austauschbarer Produkte und immer stärkeren Wettbewerbsdrucks gewinnt
die Identität einer Marke - ob traditionell oder digital inszeniert
- als Differenzierungskriterium immer größere Bedeutung. Vor dem
Hintergrund der Entwicklung zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft,
des steigenden Einflusses internationaler Kapitalmärkte und der
rasanten technologischen Entwicklungen wird das strategische Markenmanagement
zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Umfassende, zielgerichtete
Kommunikationsmaßnahmen, die überzeugend Wert und Nutzen der Marke
für den Verbraucher darstellen, sind hierfür unabdingbar. Der "Content",
die Inhalte der Kommunikation als Ausdruck einer Markenkultur, sind
entscheidend für diesen Weg.
Ziel
ist es, das Charakteristische und Unverwechselbare einer Marke in
unterschiedlichen Darstellungsformen und Medien auszudrücken, sei
es im Internet, Intranet oder traditionell inszeniert. Welche Begrifflichkeit
man auch wählt, ob "E-Brand" oder schlicht "Marke": Starke Marken
werden sich letztlich überall durchsetzen.
Quelle:
Horizont "Die Macht der Marke", 19.10.00
Wie
attraktiv ist mein Unternehmen?
(Von
Martin-Niels Däfler)
München
- "Attraktiv" - bei diesem Begriff denken wir instinktiv an Claudia Schiffer,
Pamela Anderson oder Julia Roberts. Kann auch ein Unternehmen attraktiv
sein? Wenn man Attraktivität mit der Anziehungskraft, die ein Betrieb
auf seine Umwelt ausübt, übersetzt, dann muss es das sogar sein.
Denn im harten Kampf um die Anerkennung durch den Markt, die Kunden sowie
die Investoren muss ein Unternehmen heutzutage danach trachten, allen möglichst
gut zu gefallen. Und das geht weit über das Streben nach positiven
Börsenwerten und guten Geschäftszahlen hinaus.
Wichtig
ist zunächst, die Wünsche der am Betrieb interessierten Parteien
zu kennen. Einem Unternehmen kann es nämlich nur dann gut gehen, wenn
es auch den an ihm beteiligten Menschen gut geht: den Lieferanten, Medienvertretern,
Kapitalgebern, Anteilseignern, Kunden und Mitarbeitern etwa. Zu den Interessensgruppen,
die die Außenwelt einer Firma formen, gehören zudem der Staat,
die Öffentlichkeit und die Umwelt.
Wer
anziehend sein möchte, der muss die Anforderungen und Erwartungen
all dieser Institutionen ermitteln und befriedigen. Das heißt, er
muss gezielte Attraktivitätspolitik betreiben. Dabei handelt es sich
nicht um ein Mode- oder Trendthema jüngster Managementforschung. Attraktivitätspolitik
stellt nichts anderes dar, als was der normale Menschenverstand vorgibt:
Nur der kann erfolgreich sein, der sich an den Interessen der Umwelt orientiert.
Bei
den Kunden ist klar, dass man auf sie angewiesen ist. Aber auch gegenüber
den Mitarbeitern müssen wir uns bemühen, ein attraktiver Arbeitgeber
zu sein. Denn man kann nur mit motivierten Mitarbeitern siegen. Bei den
Anteilseignern kommt es darauf an, gute finanzielle Ergebnisse zu erzielen.
Ähnlich bei den Kapitalgebern. Mittelständler, die schon einmal
in einer existenzbedrohenden Situation auf die Unterstützung der Bank
angewiesen waren, wissen, wie wichtig ein vorher aufgebautes Vertrauensverhältnis
ist.
Dann
müssen auch die Ansprüche der Zulieferer erfüllt werden,
weil die Qualität der Ausgangsprodukte nur so gut sein kann, wie die
der Eingangsprodukte. Auch die Umwelt ist im weitesten Sinne ein Lieferant
- sie stellt Luft, Wasser und Boden zur Verfügung und nimmt den unerwünschten
Output auf. Nicht nur auf Grund von Gesetzen, sondern auch unter moralisch-ethischen
Aspekten sollte man sich bemühen, ökologischen Ansprüchen
gerecht zu werden.
Schließlich
sind Unternehmen auch häufiger als gedacht auf die Öffentlichkeit
und den Staat angewiesen. Welch verheerende Folgen eine Nichtbeachtung
der Anforderungen dieser Institutionen hat, zeigen Beispiele wie der missglückte
Mercedes "Elch-Test" und Shells geplant Versenkung der Brent Spar. Auch
die zahlreichen Gerichtsurteile, die gegen Wirtschaftskriminelle und Steuersünder
verhängt werden, sind Beispiele von negativen Beurteilungen von Unternehmern
und Unternehmen durch die Öffentlichkeit.
Wer
ernsthaft versucht, die Frage nach der eigenen Unternehmensattraktivität
zu beantworten, der wird in vielerlei Hinsicht davon profitieren. Die Antworten
sind die ideale Basis für Verbesserungen - konkret und praxisorientiert
können vorhandene Missstände behoben werden.
"Wie
attraktiv ist mein Unternehmen" ist eine Frage, die sich Mittelständler
stellen müssen, wenn sie in einer immer komplexeren und anspruchsvolleren
Welt dauerhaft erfolgreich sein wollen. Hier einige Tipps zur Umsetzung:
-
Ermitteln
Sie die individuellen Anforderungen Ihres spezifischen Umfeldes!
-
Führen
Sie dann auf dieser Basis eine Zufriedenheitsbefragung bei den Interessengruppen
durch!
-
Leiten
Sie Maßnahmen zur Erreichung einer höheren Zufriedenheit ein.
Quantifizieren und terminieren Sie genaue Ziele!
-
Benennen
Sie Verantwortliche für jede einzelne Interessengruppe. Übertragen
Sie diesen Personen ausreichend Machtbefugnisse!
-
Lassen
Sie in Ihren Anstrengungen nicht nach. Eine Attraktivitätspolitik
ist keine einmalige Veranstaltung, kein abgeschlossenes Projekt, sondern
fortwährende Aufgabe jedes verantwortungsbewussten und zukunftsorientierten
Managers!
Quelle:
Welt am Sonntag
Autor:
Martin Niels-Däfler ist Berater bei der Boston Consulting Group. Sein
Buch "Wie attraktiv ist mein Unternehmen? Leitfaden zur Ermittlung der
Unternehmensattraktivität" ist im FAZ-Buchverlag, Frankfurt/Main erschienen.
Hausse
für Investor-Relations
(Von
Pia Krix)
Mit
dem rasanten Anstieg der privaten Anleger ging auch ein Ruck durch die
Unternehmens-Kommunikation. Investor-Relations gewinnen einen immer höheren
Stellenwert. Einigen männlichen Aktionären mag es wie ein Traum
vorgekommen sein: Models in knappen roten Outfits umgarnten die Besucher
auf der Hauptversammlung. Jeder Investor durfte sich mit sechs jungen Frauen
ablichten lassen - und ein Foto als Andenken an diesen ungewöhnlichen
Geschäftstermin mit nach Hause nehmen.
Die
intensive Pflege, die Beate Uhse ihren Anlegern zukommen lässt, zeigt
den Bedeutungswandel von Investor-Relations. Als die Frankfurter Börse
1585 eröffnete, konnte sich wohl niemand vorstellen, dass ihm ein
Börsenneuling eine Schokoladen-Brust überreicht. Selbst vor zehn
Jahren wären die Gratis-Zugaben des Erotik-Konzerns in Aktionärskreisen
noch undenkbar gewesen. Die Zeiten sind vorbei, als man unter dem Kommunikationsdreieck
des Aktienmarkts Analysten, institutionelle Anleger und Unternehmen verstand.
Der Privatanleger spielte keine große Rolle.
Mit
dem Börsengang der Telekom 1996 und der Einführung des Neuen
Marktes 1997 wurde alle anders: Die Zahl der privaten Investoren stieg
rasant. Sie lag im Juni dieses Jahres bei 6,2 Millionen - Tendenz steigend.
Gleichzeitig boomten die IPOs (Initial Public Offering): Waren es 1998
noch 75, gingen ein Jahr später bereits 168 Firmen an die Börse.
Für das Jahr 2000 rechnet das Deutsche Aktien-Institut, Frankfurt,
mit rund 200 Going Publics. Diese Entwicklung pusht auch die Bedeutung
von Investor-Relations (IR): eine aktuelle Studie des Handlesblatts und
des Marktforschungs-Instituts Ires, der Investor Relations-Monitor, belegt,
dass mehr als drei Viertel der Aktiengesellschaften über ein IR-Budget
verfügen. Dafür stellten sie in diesem Jahr durchschnittlich
eine Million Mark bereit - ein Drittel mehr als 1999. Die DAX-Werte geben
mit 4,7 Millionen Mark rund fünfmal so viel aus wie AGs aus anderen
Indizes.
Investor-Relations
erlangen auch in der Unternehmenskommunikation einen höheren Stellenwert.
Der Monitor ermittelte, dass die Ausgaben für Inverstor-Relations
innerhalb des Kommunikationsetats deutlich zulegen - besonders in der DAX-Gruppe.
Auch neue Instrumente kommen zum Einsatz. Um die Gunst der privaten Anleger
zu erringen, reichen die üblichen Informationsträger - Geschäfts-
und Quartalsbericht, Aktionärsbrief, Roadshow oder Hauptversammlung
- schon lange nicht mehr aus. Als Vorreiter einer neuen Finanzkommunikation
gilt die Telekom: Ihr Testimonial Manfred Krug warb bei der breiten Bevölkerung
für den Börsengang.
Inzwischen
sind Fernsehspots und Anzeigen gang und gäbe, um gerade private Investoren
anzusprechen. Während das wichtigste Organ, der Geschäftsbericht,
die nüchternen Zahlen rüberbringt, transportiert die Werbung
emotionale Faktoren. Subjektive Empfindungen bekommen immer mehr Gewicht,
hat Manfred Piwinger herausgefunden. Er brachte in diesem Jahr das Buch
"Die Praxis der Investor Relations - effiziente Kommunikation zwischen
Unternehmen und Kapitalmarkt" auf den Markt.
Seine
Recherche ergab, dass "Kommunikation circa 40 Prozent des Börsenwerts
ausmacht." Auch ein Studie der Boston Consulting Group belegt, dass finanzielle
Faktoren, wie zum Beispiel die aktuelle Gewinnsituation des Unternehmens,
die Kursentwicklung nur zum Teil beeinflussen. "Ein hoher Anteil wird durch
subjektive Faktoren bestimmt" so die Unternehmensberatung, die fünf
solcher Faktoren nennt: das Image des Vorstandschefs, die Bekanntheit der
Firma, die Qualität der IR-Arbeit, die Liquidität der Aktie und
der Index, in dem das Wertpapier gelistet ist. Besonders das Ansehen des
Unternehmens-Lenkers kann den Anleger für die Aktie gewinnen. Dabei
hilft ein bekannter Name oder ein charismatischer Vorstandsvorsitzender.
Egal
ob Ron Sommer (Telekom), Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler) oder Erich
Lejeune (ce Consumer Electronics) - "Charisma ist Kapital", sagt Manfred
Piwinger. Auch Geschichten aus dem Privatleben des Chefs können die
Begeisterung für den Konzern anheizen: so stieß zum Beispiel
die Karriere von Heiner Kamps, der es vom Bäckermeister zum Chef der
gleichnamigen Brötchenkette gebracht hat, auf großes Interesse.
Kamps sucht gerne den Kontakt zu den Aktionären: 40 Prozent seiner
Zeit setzt er für Investor Relations ein, allein dreimal im Jahr geht
er auf Roadshows. Den Firmen, die kein charismatisches Zugpferd vor ihre
Aktie spannen können, bieten sich andere Möglichkeiten.
Ralf
Brammer, Präsident des Deutschen Investor-Relations Kreises (DIRK),
beobachtet, dass "sich die Aktie als wesentliches Kernprodukt entwickelt.
Der IR-Manager ist heute Produktmanager der unternehmenseigenen Aktie."
Share-Branding wird immer häufiger eingesetzt: Die Aktie wird als
Marke kommuniziert. "Die Markenpersönlichkeit gibt der Aktie die Chance,
sich im Markt zu behaupten", erklärt der freie Strategieberater Jürgen
M. Bödecker, Düsseldorf. "Eine Marke hat etwas Solides, spricht
für Qualität. Man versucht, das auf die Aktie zu übertragen."
Die Beate Uhse AG hat´s umgesetzt: "Wir leben in der Finanzkommunikation
ganz klar vom Brand", bestätigt Birte Hennig, IR-Chefin des Flensburger
Konzerns.
Die
Finanzstrategen gingen beim IPO im Mai vergangen Jahres selbstverständlich
davon aus, dass die Aktie als Marke die besten Chancen hat. "Das Spiel
mit Erotik erleichtert es uns, die Aktionäre zu animieren", sagt Hennig.
Ihre Firma ließ 140.000 Aktien drucken, die - gerahmt in der Unternehmensfarbe
Grün - in jedem Sex-Shop zu haben sind. "Sie wird häufig als
Hochzeitsgeschenk gekauft, weil sie ein Wertgegenstand und zugleich sexy
ist", so Hennig. Firmen wie Beate Uhse haben es tendenziell leichter, meint
IR-Experte Piwinger, weil sie - wie auch Coca-Cola oder Adidas - auf eine
bestehende Marke zurückgreifen können.
Anders
sei die Lage für junge Unternehmen, die unbekannt an den neuen Markt
gehen - wie zum Beispiel der Mediendienstleister EM.TV oder die Software-Schmiede
Intershop. "Wir haben kein Share-Branding gemacht - aber es ist ein Share-Branding
entstanden", blickt John Lang, IR-Chef von Intershop, zurück. Der
Shooting-Star am neuen Markt profitierte von der ungewöhnlichen Vita
des Unternehmensgründers: Stephan Schambach war 28 Jahre alt, als
er seine Firma an die Börse führte. "Wir sind in der glücklichen
Situation, dass Presse, Investoren und Banken unsere Story spannend finden.
So hat sich mit der Zeit von selbst eine Marke aufgebaut", so Lang.
Gutes
Share-Branding bei Infineon
Ein
gelungenes Beispiel für Share-Branding ist für Manfred Piwinger
die Siemens-Tochter Infineon. Im Gegensatz zur Mutter, die als Unternehmens-Marke
agiert, habe sich die Halbleitersparte als Aktienmarke positionieren können.
"Infineon legte von Beginn an großen Wert auf Privatanleger", blickt
IR-Chef Matthias Poth auf das Going Public im März diesen Jahres zurück.
Von fünf Leuten, die in seiner Abteilung arbeiten, ist einer ausschließlich
für die Klein-Investoren zuständig. IR gilt in dieser Firma als
Bestandteil der Kommunikation: "Wir sind im operativen Geschäft bei
der Kommunikation angebunden mit einer Berichtslinie an den Chief Financial
Officer (CFO)", so Poth. Bei Infineon sitzt der CFO im Vorstand, dadurch
ist IR eng an der Unternehmensspitze angesiedelt.
Nach
Poths Auskunft geht die Finanzkommunikation am Neuen Markt "viel stärker
Richtung PR und Werbung. Die klassischen DAX-Unternehmen suchen mehr die
Nähe zum Finanzbereich." DIRK-Präsident Brammer schätzt,
dass IR zu 80 Prozent beim Finanzvorstand angesiedelt ist. Nur 20 Prozent
gehörten zur Kommunikation - und diese Tendenz sei eher bei kleinen
Unternehmen zu beobachten. "Langfristig wird die Öffentlichkeitsarbeit
ein Teilbereich der Investor Relations sein", glaubt Brammer, "weil jede
Pressemitteilung letztendlich die Werthaltigkeit des Unternehmens positiv
wie negativ beeinflusst." Er geht auch davon aus, dass es "in absehbarer
Zeit Investor-Relations-Vorstände geben wird, die alle drei wesentlichen
Relationship-Funktionen integrieren:
Political
Engineering, Public- und Investor Relations".
Run
auf IR-Manager
Die
zunehmende Bedeutung der Finanzkommunikation hat noch einen anderen Nebeneffekt:
Die Headhunter klingeln bei den IR-Managern Sturm. Brammer schätzt
ihre Zahl in Deutschland auf 360, 180 würden gesucht.
Junge
Unternehmen, die an den Neuen Markt wollen, suchen händeringend Verstärkung.
Andere bauen ihre Abteilungen aus oder um, wie zum Beispiel Karstadt-Quelle:
Die Aktiengesellschaft hat Detlef Neveling zum Leiter des neu geschaffenen
Direktionsbereichs Investor-Relations ernannt.
Auch
Konzerne mit IR-Tradition setzen auf frischen Wind: Volkswagen stellte
vor kurzem die Engländerin Gillian Karran ein, die als Vorstandsbeauftragte
direkt an VW-Chef Ferdinand Piech berichtet. Die Deutsche Post World Net
holte sich für ihren geplanten Börsengang im November den früheren
IR-Chef von RWE, Hans Richard Schmitz. Während er die Analysten und
Institutionellen informiert, arbeitet die Werbeabteilung mit den Testimonials
Thomas und Christoph Gottschalk. Sie sollen allen Geschmack auf die "Aktie
Gelb" machen.
Quelle:
W&V 38/2000 www.wuv.de
Autor:
Pia Krix
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